Drei emanzipierte Frauen gründen Schutzheim für Frauen

Agnes Neuhaus (…1944) ist Gründerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) – früher katholischer Fürsorgeverein für Mädchen und Frauen. Sie eröffnete 1921 das Anna-Katharinenstift Karthaus als Schutzheim für „sittlich gefährdete“ Frauen. Große Unterstützung erhielt sie von Clara Hellraeth (…1942, Vorsitzende Ortsverein Münster) und Elisabeth Zillken (…1980, Generalsekretärin des Vereins).

 

Doch wer waren die drei Damen? Sie haben vieles bewegt und erreicht, und dass zu einer Zeit als das Wort „Emanzipation“ wahrscheinlich noch gar nicht erfunden war.

Agnes Neuhaus engagierte sich seit 1899 in der Armenfürsorge. Der katholische Fürsorgeverein hieß anfangs „Verein vom Guten Hirten“: Ich finde, ebenso gut wie in der Familie gehören Mann und Frau in die Politik. Das ist kein Vergleich, das ist aus der Not und aus dem Leben geborene Wirklichkeit. In der Fürsorgearbeit konnte ich von Anfang an viele Herren um mich herum für die gute Sache begeistern. Da war Stadtrat Henrici, der mit mir zur Polizei ging und dort Order gab, dass man mir jede mögliche Hilfe zuteilwerden lassen sollte. Unser Pfarrer, Propst Lohers, hat mich mit seinem Rat und die Arbeit finanziell unterstützt. Mein Mann war Richter von Beruf. Er hat mir jederzeit mit tatkräftiger juristischer Hilfe zur Seite gestanden, oft sogar morgens beim Frühstück.

 

Elisabeth Zillken war 28 Jahre alt als sie im Oktober 1916 die Stelle als Generalsekretärin des Fürsorgevereins antrat. Frau Neuhaus war zu dem
Zeitpunkt 62 Jahre alt. Dennoch entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit und Freundschaft:
Frau Neuhaus verhielt sich mir gegenüber skeptisch. Sie dachte wohl: „Handelslehrerin und Arbeiten im Fürsorgeverein? Das passt doch nicht zusammen!“ Das Gespräch lief aber richtig gut für mich, denn ich konnte alle Fragen von Frau Neuhaus beantworten und  bekam eine Zusage. An meinem ersten Arbeitstag ist das Eis zwischen uns gebrochen. Wir haben uns eine Schürze umgebunden und gemeinsam den großen Schank aufgeräumt, der das „Archiv“ des Vereins enthielt. Damit begann eine 28jährige sehr gute Zusammenarbeit.

 

 

Clara Hellraeth wurde vom Domkapitular Rüping überredet, den Vorsitz für den katholischen Fürsorgeverein 1902 in Münster zu übernehmen. Vorher hatte er es bereits mit ihrem Mann besprochen:Ich war entsetzt. Ich war in der „vornehmen Gesellschaft“ verankert, nicht ehrenamtlich tätig, kannte keine Vereinsarbeit und traute mir so viel Verantwortung nicht zu. Doch der Domkapitular leistete mir gegenüber so viel Überzeugungsarbeit, bis ich schließlich nicht mehr „Nein“ sagen konnte.

Frau Neuhaus hat mich ins „kalte Wasser“ geworfen. Am Gründungstag ist sie mit mir zur Geschlechtskrankenstation des Clemenshospitals gegangen. Sie sagte, sie wolle mir helfen, die große Scheu vor der ersten persönlichen Berührung mit den unglücklichen Opfern eigener und fremder Schuld zu überwinden. „Ich zeige Ihnen, wie diesen armen Mädchen zu begegnen ist.“


Der Besuch im Clemenshospital war prägend, denn ich lernte die erste junge Frau kennen, deren Vormundschaft ich übernommen habe. Ich habe mich dann mit vollem Elan eingearbeitet. Schnell wurde klar, dass  Mildtätigkeit nicht ausreicht. Wir mussten eine breite Grundlage für die Fürsorgearbeit schaffen. Darum informierten wir das Vormundschaftsgericht, die Polizei, den Magistrat, den Landeshauptmann und die Pfarrer der Stadt von der Tätigkeit unseres Vereins. Wir boten ihnen an, bei der Unterbringung von gefallenen Mädchen und Frauen zu helfen.

 

Unsere Damen besuchten auch Personen, von denen sie gehört hatten, dass sie sittlich gefährdet waren und zu verwahrlosen drohten. Nach kurzer Zeit versuchten unsere Helferinnen auch obdachlosen Frauen und Frauen mit unehelichen Kindern zu helfen. Wir wollten verhindern, dass den Frauen nichts übrig blieb, als in die Prostitution zu gehen. Für einige Mädchen und Frauen war es jedoch besser, sie eine Zeit lang der „Außenwelt“ zu entziehen. Für sie gründeten wir in Dülmen das Anna-Katharinenstift.

Ansprechpartnerin

Britta Homann
Presse- und Öffentlichkeitsreferentin
Telefon: 02594 968-317
E-Mail: britta.homann(at)akstift.de