Gemeinsame Unternehmungen, wie die Regenbogen-Mal-Aktion, vertreiben nicht nur Langeweile, sondern fördern auch das Gemeinschaftsgefühl.

Bewohnerinnen der Valentin-von-Terni-Gruppe bei einem telefonischen Geburtstagsgruß in die Außenwohngruppe Peter.

Auch Bewohnerinnen und Bewohner tragen Mundnasenmasken, wenn sie die Gruppe verlassen, um sich und andere zu schützen.

Keine Langeweile, aber Kontakte fehlen

Bewohnerinnen und Bewohner äußern sich zur Coronakrise

„Jetzt fahren wir nicht nach Borkum, aber nächstes Jahr und dann teilen wir uns ein Zimmer“, sagt Margret Rudersdorf zu ihrer Freundin, die sie beim Spaziergang auf dem Gelände von weitem begrüßt. Obwohl sie die abgesagte Reise bedauert, überwiegt bereits die Vorfreude auf das kommende Jahr. Die Seniorin lebt im Anna-Katharinenstift Karthaus. In der Einrichtung wurden nun alle Urlaubsfahrten und Ausflüge abgesagt – normalerweise die Highlights im Jahr für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Aufgrund der Coronakrise ist in den Wohngruppen ein neuer Alltag eingekehrt Alltag. Da alle Menschen mehr Zeit miteinander verbringen als gewöhnlich, ist die Tagesstruktur wichtiger denn je, sonst sind Reibereien vorprogrammiert – wie in Großfamilien. Die Fachkräfte achten somit auf ausreichend Ausweichplätze und eine geregelte Aufgabenverteilung.

 

Gerade Seniorinnen und Senioren haben viel mehr Freizeit, da sie nicht wie die anderen Arbeitsaufträge der Werkstätten Karthaus bearbeiten. Zudem hat die Seniorentagesstätte geschlossen. Die acht Mitarbeitenden der Tagesstätte sind seit Mitte März in den Wohngruppen aktiv. „Der Kontakt zu den Bewohnern ist nun viel intensiver, da wir sie in ihrem persönlichen Umfeld nochmal ganz anders erleben und auch nur mit zwei bis drei Senioren arbeiten“, erzählt Martine Thewes-Feldmann, Leiterin des Fachdienstes Senioren, und ergänzt: „Das ist mal eine positive Seite der momentanen Situation.“

 

So wird mit den Rentnerinnen und Rentnern nach einem gemütlichen Frühstück gebastelt, genäht, gestrickt, gebacken und Fahrrad gefahren. „Wir machen täglich eine Bewegungs- und Zeitungsrunde. Das kennen alle aus der Tagesstätte. Wir lesen gemeinsam die Zeitung und schauen, was in der Welt los ist. Manchmal klären wir dabei auch Missverständnisse auf und sprechen über Corona. Bei den Spaziergängen ist die Freude groß, wenn wir anderen Kleingruppen begegnen. Ihre Freunde, nicht treffen zu dürfen, können sie nur schwer aushalten“, das spürt Thewes-Feldmann täglich.

 

Auch in der Valentin-von-Terni-Gruppe wird auf eine feste Tagesstruktur geachtet. Die Bewohnerinnen und Bewohner stehen um sieben Uhr auf, frühstücken und arbeiten von zehn bis 12:30 Uhr. Eine weitere Arbeitseinheit steht  von 14 bis 15:30 Uhr auf dem Programm. Schließlich folgen Angebote, wie Spiele spielen, Basteln, Malen, Spaziergänge sowie Briefe schreiben und Telefonate. Einige mögen das „Homeoffice“ im Esszimmer,  andere würden lieber in den Werkstätten arbeiten – doch alle sind sich einig, die Außenkontakte fehlen ihnen deutlich.

 

„Manchmal besuche ich meine Arbeitskollegen durch das Fenster am Waschhaus. Ich vermisse alle sehr, auch meine Familie vermisse ich sehr. Immer sind alle Bewohner in der Gruppe. Das ist doof und anstrengend. Ich wünsche mir, dass das Virus bald wieder weg ist und ich wieder alleine mit dem Fahrrad fahren darf“, sagt Uschi Kuhlmann. Unzufrieden mit der Situation sind auch Anna Reinhold und Horst Bohms. „Es ist schwierig, zu verstehen, warum das Coronavirus so gefährlich ist. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn alles wieder normal ist“, meint Anna Reinhold. Horst Bohms ist dennoch froh, durch ausreichend Beschäftigung keine Langeweile zu haben.

 

Benjamin Wieczorek findet: „Draußen unterwegs zu sein, geht nur noch mit Mundschutz. Diese sind hässlich und stören. Ich wünsche mir einfach wieder einen ganz normalen Alltag – einfach das tun können, worauf ich Lust habe. Immer in der ganzen Gruppe zusammen zu sein, ist anstrengend. Früher waren wir wenigstens in der Werkstatt getrennt und keiner weiß, wann es zu Ende ist. Das ist wirklich schwer, auszuhalten.“ Für mehr Unterhaltung und Information will das Team des Freizeitbereiches  nun mit dem „Stift TV“ sorgen. Einmal die Woche soll es eine Sendung zu verschiedenen Themen geben, zum Beispiel Bastelideen zum Nachmachen – live übertragen auf die Fernseher der Wohngruppen.

Ansprechpartnerin

Britta Homann
Presse- und Öffentlichkeitsreferentin
Telefon: 02594 968-317
E-Mail: britta.homann(at)akstift.de