„Im Himmel kann ich laufen“
Besinnungstag auf der Karthaus
„Ich fühle mich wie im Himmel“ oder „Ich schwebe auf Wolke 7“ – für viele Menschen ist der Himmel ein Bild ist für Glück, Wohlbefinden und gute Gefühle. Daran anknüpftend beschäftigte sich der diesjährige Besinnungstag des Anna-Katharinenstifts Karthaus mit der Frage „Wie sieht für DICH der Himmel aus?“. Mitarbeitende und Klienten waren am Freitag, 20. März, dazu eingeladen, sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise zu nähern.
Den Himmel darstellen und erleben
„Wenn es warm ist und es regnet, dann erscheint ein Regenbogen. Das mag ich. Mein Himmel ist bunt“, sagte Jessica Labuda und zeigt ihre Leinwand. Die Männer und Frauen aus ihrer Gruppe bemalten Leinwände mit den Farben ihres Himmels. Im gemeinsamen Gespräch erzählten sie, warum sie die Farben gewählt hatten und was sie sich dort erträumen. „Im Himmel näht Petra Obser Kleider für Jesus“, ist sich Christiane Zimmermann sicher. Die verstorbene Petra lebte viele Jahre auf der Karthaus und nähte besonders gut und gerne.
In den Wohngruppen, in den Werkstätten Karthaus und auch im Haus Jakob waren die Menschen kreativ tätig und gestalteten kleine und große Kunstwerke. Aus Wolken, Sternen, Planten und Regenbögen wurden im Freizeitbereich von den Außenwohngruppen unter anderem Mobiles konstruiert. Außerdem konnten Klienten das Thema auf verschiedenen Sinnesebenen erfahren, zum Beispiel durch Massage, Düfte und Klänge. Stets im Vordergrund stand die eigene Vorstellung des Himmels.
Eine berührende Erinnerung
Seelsorger der Einrichtung Ferdi Schilles kam die Idee, den Fokus auf den Himmel zu setzten, durch eine nachhaltige Begegnung. Er erzählte: „Monika, die im Anna-Katharinenstift lebte und im Förderbereich arbeitete, war gestorben. Sie war noch sehr jung – nicht einmal 30 Jahre alt. Monika war eine Frau mit einer schweren Behinderung und konnte nicht sprechen, aber sie war eine starke Persönlichkeit und trotz ihrer Einschränkung sehr kommunikativ. Wegen ihres kindlichen Aussehens wurde sie von vielen nur „die kleine Moni“ genannt. Als sie starb, löste das große Betroffenheit aus. Im Förderbereich der Werkstatt sprachen wir über Monika. Ihr Platz war jetzt leer. Wir zündeten Kerzen an und stellten sie zu ihrem Bild. Als ich fragte ‚Und wo ist Monika jetzt?‘, antwortete Matthias – ein junger Mann mit einer geistigen Behinderung, der im Rollstuhl sitzt – ganz spontan: ‚Moni ist im Himmel und im Himmel kann ich laufen.‘“
Beim traditionellen Besinnungstag beschäftigen sich die Menschen aus allen Bereichen des Anna-Katharinenstifts Karthaus mit einem bestimmten Thema. In Klein- oder Großgruppen können sie zwischen dem gemeinsamen Auftakt und dem Abschluss in der Kapelle frei arbeiten und eine schöne Zeit miteinander verbringen.