Spannende Einblicke in andere Arbeitswelten erhielten Menschen mit und ohne Behinderung in dieser Woche beim „Schichtwechsel“. Die Werkstätten Karthaus beteiligten sich an der bundesweiten Aktion, die einen Perspektivwechsel ermöglicht und den Austausch auf Augenhöhe in den Mittelpunkt stellt. Für einen Tag tauschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Betrieben und Institutionen mit Beschäftigten einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung den Arbeitsplatz.
„Ich habe die Kasse bedient, mit Unterstützung, und Kaffee gekocht“, erzählte Nadine Terlau, die statt im Service-Team der Werkstätten am Donnerstag, 25. September, Einblicke im Tibercafé Grote erhielt. „Neues lernen und sehen und andere Menschen kennenlernen“ waren ihre Motive, mitzumachen. Viele Handgriffe kannte sie tatsächlich von ihrer Tätigkeit in der Werkstatt. Das Café-Team freute sich ebenfalls über die zusätzliche Unterstützung und die Aufgeschlossenheit seiner „Praktikantin“. Gerne würde Nadine Terlau einmal für eine längere Zeit in einem Café außerhalb der WfbM arbeiten.
Ähnlich erging es Patrick Höltker, der einen Schnuppertag beim Technischen Dienst des Anna-Katharinenstifts erlebte. Auch er fühlt sich darin bestärkt, ein längeres Praktikum im Handwerksbereich auszuprobieren. „Das ist schon etwas anderes als in der Werkstatt. Es ist viel interessanter. In der Werkstatt mache ich oft die gleichen Arbeiten“, sagt der junge Mann, während er die Isolierschicht an einem Heizungsrohr erneuert. Im Gegenzug verbrachte ein Auszubildender zum Anlagenmechaniker einen Tag in der Metallverarbeitung, dem Arbeitsplatz von Patrick Höltker. Dort wurde er herzlich aufgenommen: „Ich hatte das Gefühl, dass sich viele freuen, dass jemand Neues da ist.“ In der Holzverarbeitung wurde Anne (Nachname folgt) vom Halterner St.-Marien-Kindergarten begrüßt. Die Erzieherin tauschte mit Claudia Beier, die an diesem Donnerstag statt Sortieren und Verpacken im Kindergarten kreativ tätig war.
Neben dem Wechsel mit Bürgermeister Carsten Hövekamp, der bereits vor zwei Wochen stattfand, nahm auch Silke Althoff vom Kulturteam der Stadt Dülmen teil. „Ich finde die Aktion total spannend und bin offen für alles“, so Silke Althoff, die im Stadtquartier auf Svenja Ernst traf. Die Klientin nahm Silke Althoff mit in ihren Arbeitsalltag und half nach dem Mittag in der Kulturwerkstatt mit, eine Veranstaltung vorzubereiten. „Heute Morgen war ich total aufgeregt. Jetzt geht es und ich freue mich“, berichtete Svenja Ernst. Silke Althoff war überrascht, dass im Stadtquartier Klientinnen und Klienten so kreativ arbeiten. Für die Zukunft könnte sie sich sogar Kooperationen mit der Kulturwerkstatt vorstellen.
Insgesamt konnten fünf Klientinnen und Klienten am Schichtwechsel teilnehmen. Carolin Schulz von der Übergangsförderung möchte im nächsten Jahr wieder dabei sein. Für sie ist der Schichtwechsel ein wichtiges Projekt, denn nur wenn beide Seiten miteinander arbeiten, können Berührungsängste abgebaut und neue Chancen für Zusammenarbeit geschaffen werden.