Besondere Charaktere des Anna-Katharinenstift

In den vergangenen 100 Jahren haben viele Menschen das Leben im Anna-Katharinenstift Karthaus auf unterschiedliche Weise geprägt.

„Fritze Bollmann“

Schwester Friedwine, gebürtige Berlinerin, war ein echter Allrounder. Sie konnte jede Fahrkarte bei der Bahn zum besten Preis besorgen und in ihrem Büro vor dem Theatersaal (im heutigen Südflügel) liefen sämtliche Fäden zusammen. Ihr wahres Talent und ihre Berufung zeigten sich aber im Bereich der Bildung und der Freizeit: Sie baute die Hausbibliothek auf und liebte die Bühne – so war der Theatersaal ihr Reich. Sie initiierte Musikstunden, inszenierte Theaterstücke, animierte zum Nähen der Kostüme, zeigte Filme, organisierte Fahrten. Schw. Friedwine war im heutigen Sinne sehr innovativ, konnte aber durchgreifen und Strenge beweisen, was ihr den Spitznamen „Fritze Bollmann“ eintrug. Gleichzeitig war sie kulturprägend, gesellig, humorvoll und trank auch schon mal gerne ein Bierchen. Bis ins hohe Alter 2003 lebte sie im Stift. Tagsüber fand man sie oft still betend allein in der Kapelle, abends häufig als Letzte auf den schon dunklen Fluren, wenn sie noch mal schaute, ob auch alle Türen zu sind.

„Die Bienenschwester“

Dülmener Berühmtheit erlangte Schwester Salvia. Sie arbeitete im Garten der Einrichtung und war seit 1950 für die Bienenvölker im Stift zuständig. 1974 berichtete die „Dülmener Zeitung“ über die „Bienenschwester“ und schuf damit ihren unvergesslichen Spitznamen. Sie war nicht nur eine Frau, die sich hier als Imkerin um die Bienenvölker kümmerte, sondern auch noch eine Ordensschwester – na sowas! Die Bienenschwester verriet dabei dem Redakteur humorvoll das Geheimnis ihres Erfolges. In einem Jahr hatte sie über 650 Kilogramm Honig geerntet: „Es kommt auf die richtige Pflanzenmischung an. Jeden Morgen und Abend bete ich den Bienensegen. In einem Jahr hat es aber dazu geführt, dass sich die lieben Kleinen zu sehr vermehrt haben.“ Schw. Salvia ist ein Beispiel für die Originale unter den Ordensschwestern.

Heinz Steentjes

Als erster Werkstattleiter ist Heinz Steentjes eng mit einem geschichtlichen Meilenstein der Einrichtung verbunden. Denn er begleitete die offizielle Anerkennung der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) und war maßgeblich am Neu- und Ausbau Anfang der 80er Jahre beteiligt. Ein Mann mit vielen Ideen für Projekte, Weiterentwicklungen und vor allem für Arbeitsangebote. Der Werkstattleiter setzte sich insbesondere für Teilhabe ein und schuf mit den öffentlichen Verkaufsläden und vor allem mit dem Karthäuser Winterzauber Orte der Begegnung für Menschen mit und ohne Behinderung.

Georg Breitkopf

Seit 1981 ist Spielpädagoge und Chorleiter Georg Breitkopf im Anna-Katharinenstift für Musik, Spiel und Theater zuständig. Schon Jahre vorher sorgte er mit seiner Gruppe bei Tanzveranstaltungen auf der Karthaus für Musik. Noch immer hat er bei jedem Fest, Auftritt und Ehrentag seine Finger im Spiel. Der heutige Leiter des Freizeitbereiches hat sich durch die drei inklusiven Musicals „da-Heim“ „Christin – die Sage der Karthaus“ und „Katharina“ in der Dülmener Kulturlandschaft verewigt. Auch mit der Hausband „DIE STIFTE“ und den Mitarbeiter- und Bewohnerchor hat er dem Anna-Katharinenstift ein fröhliches, musikalisches Gesicht gegeben.